Rezension: Japan - Christine Grandy-Dick

Die Autorin Christine Grandy-Dick hat dieses Reisetagebuch nach ihrem Aufenthalt in Japan verfasst. Noch immer bin ich überwältigt von der Fülle an Informationen, die die Bildende Künstlerin in ihrem Werk untergebracht hat. Die Reise dauerte  vom 5. März bis 14. Mai 2012.

Grandy–Dick ist eine überaus aufmerksame Beobachterin. Minutiös, beinahe filmisch spult sie das Gesehene und Erlebte in einem farbenfrohen Text ab, der mich an gewisse Gemälde von Hieronymus Bosch oder Pieter Bruegel d. Ä. erinnert, nur eben im "Garten der aufgehenden Sonne" geschaffen. 

Mich wundert es nicht, wenn eine Bildende Künstlerin mit Buchstaben malt und auf diese Weise dem Leser behagliche Stunden der besonderen Art schenkt. Um mich einzustimmen, habe ich während des Lesens ZEN-Musik gehört und eine Japan-Karte zur Hand genommen, da meine geografischen Kenntnisse, was Japan anbelangt, bislang eher rudimentär waren.

Die Autorin hat übrigens bereits mehrere Reisebücher verfasst. Auf einer Indien-Reise lernte sie den Japaner Yuka kennen, den sie zu Beginn ihres Japan-Aufenthaltes besuchte. 

2006 habe ich ein Buch des damals in Japan lebenden Autors Christopher Neumann gelesen, das den Titel trägt:"Darum nerven die Japaner: Der ungeschminkte Wahnsinn des japanischen Alltags". Grandy-Dick geht in ihrem Reisetagebuch weitaus positiver an die dort lebenden Menschen heran und nimmt mit ihrem achtsamen Blick so viel Schönes wahr, das man in dieser Vielfalt natürlich nicht sehen kann, wenn man sich um mögliche Haare  in einer Suppe kümmert.

Immer wieder schreibt sie über kulinarisch Wissenswertes, auch japanische Geschichte ist in die Betrachtungen eingeflochten, aber sie zeichnet durchaus auch Verhaltensmuster der Bürger auf, so deren Liebe für Ordnung, Sauberkeit und Pünktlichkeit, ohne allerdings diese Werte groß zu hinterfragen. Grandy-Dick ist ein guter Gast und wird entsprechend wohlwollend aufgenommen. Alles ist eben eine Frage der Schwingungen.

Die Autorin berichtet über unendlich viele Orte, die sie besucht hat. All die Sehenswürdigkeiten hier aufzuzeigen, führt zu weit. Zudem soll man sie ja durch das Buch erfahren. Sie schreibt über ihre Eindrücke in Städten wie Tokyo, Kyoto und Hiroshima, über Landschaften, Tempel und Klöster, Gartenanlagen, über die traditionellen Künstler und so vieles andere mehr. Seite für Seite zeigt die Autorin, dass sie nicht nur eine aufmerksame Beobachterin ist, sondern auch eine gebildete, gut informierte Frau.

Die Japan-Reisende schreibt auch über ihre Erfahrungen beim Bogenschießen, das in ihren Augen eine gute Konzentrationsübung darstellt. Damit Sie einen Eindruck bekommen, wie minutiös die Autorin alles aufzeichnet, möchte ich hier ein paar Sätze zitieren: "Das Prozedere beginnt im Hinknien, nacheinander Aufstehen, dabei den Bogen drehend, einen Pfeil mit Ring- und kleinem Finger der linken Hand wegklemmen, den zweiten am Spannseil anlegen. Nun das Seil hypnotisieren, langsam das Gerät über den Kopf strecken, der rechte Arm dehnt die Sehne sukzessive zur Schulter hinunter, wo das Geschoss auf Augenhöhe verharrt. Dies erfordert die meiste Kraft in der Elle, Bauch- und Pomuskeln. Durchschnittlich zehn Sekunden später springen allein die Finger auf, der Unterarm schwingt waagrecht zur Schulterlinie, der Kopf zurück zum Meister, Ellbogen in die Hüfte gestemmt, Verbeugung, abtreten. Nächster,"(Zitat S. 75). 

Grandy-Dick schafft es in diesen  Wochen mehr zu erleben als ein anderer Reisender in einem Jahr. Wie kommt das? Neugierig sind viele. Es ist aber mehr. Die Bereitschaft, sich auf alles einzulassen, dieses "Du bist o.k., aber auch ich bin es" in ihrem Gesamtverhalten während der Reise bewusst umzusetzen, das macht das Besondere der Reisenden Christine Grandy –Dick aus.

Auf den Seiten 201-226 findet man übrigens Kartenmaterial und Fotos, die dokumentieren, dass Ihren Reisebeschreibungen reale Erlebnisse zu Grunde liegen.

Bei all dem Schönen und Imposanten, das die Autorin festhält, vergisst sie nicht die 140 000 Toten von Hiroshima zu erwähnen. Unter ihnen befanden sich auch koreanische und chinesische Zwangsarbeiter. Sie berichtet davon, dass man sich im Peace Memorial Museum im Rahmen unerträglicher Dokumentationen die Folgen für die damalig überlebenden schwangeren Frauen und Kinder vergegenwärtigen kann. Grandy –Dick schafft es mit eindringlichen Worten die Atmosphäre im Museum und die Betroffenheit der Besucher zu skizzieren und das abzubilden, was gesagt werden muss, wenn man Japan bereist.

Im Rahmen eines Interviews werde  ich die Autorin zu ihren Erfahrungen auf dieser eindrucksvollen Reise befragen. Die Antworten versprechen eine große Vielfalt und einen tiefer gehenden Einblick in die Gesellschaft von Japan, aber auch über die Schönheiten, die das Land zu zeigen hat.

 Empfehlenswert. 

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1 Kommentar:

  1. Ein interessantes Buch, das ich mir bei Gelegenheit auf jeden Fall zu Gemüte führen werde!

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